PPWR und Rezyklateinsatz: Experteninterview mit Valerio Sama von TOMRA
Valerio Sama, Business Development Manager bei TOMRA, erklärt, wie die PPWR den Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten verändert, welche Herausforderungen bei Lebensmittelverpackungen bestehen und warum präzise Sortiertechnologien für hochwertige Kreisläufe entscheidend sind.
Wie sehen Sie die PPWR-Anforderungen zum Rezyklateinsatz in Verpackungen ab 2030 in der EU?
Die PPWR setzt erstmals EU-weit verbindliche Mindestquoten für den Einsatz von Post-Consumer-Rezyklaten in Kunststoffverpackungen fest. Damit schafft sie einen klaren regulatorischen Rahmen für die Kreislaufwirtschaft. Dies begrüßen wir ausdrücklich, insbesondere weil dadurch Modernisierung und Investitionen in Advanced Sorting Technology weiter vorangetrieben werden.
Gleichzeitig bedeutet das aber auch:
• Es müssen Rezyklate in sehr hoher Qualität erzeugt werden, insbesondere aufgrund der anspruchsvollen Anwendungen im Verpackungsbereich, etwa bei Lebensmittelverpackungen.
• Die Kosten müssen in einem vertretbaren Rahmen bleiben, damit Rezyklate gegenüber Virgin Material wettbewerbsfähig bleiben.
• Es müssen ausreichend Rezyklate in hoher Qualität verfügbar sein. Das setzt voraus, dass mehr gesammelt, sortiert und recycelt wird.
Aus unserer Sicht ist die PPWR daher ein wichtiger Hebel, um Kreisläufe für Verpackungskunststoffe tatsächlich zu schließen — im Sinne eines Closed Loop. Gleichzeitig wird sie den Druck erhöhen, die Qualität der sortierten Materialien deutlich zu verbessern, um ausreichend Rezyklat in Lebensmittelqualität bereitstellen zu können.
Welche besonderen Herausforderungen und Chancen sehen Sie beziehungsweise TOMRA bei kontaktsensitiven Verpackungen, insbesondere Lebensmittelverpackungen?
Herausforderungen:
Eine zentrale Herausforderung sind die sehr hohen Qualitätsanforderungen. Lebensmittelkontaktmaterialien müssen nahezu frei von Fremdstoffen sein und extrem hohe Reinheiten aufweisen. Dafür ist eine Sortierung in Food Grade erforderlich.
Hinzu kommen komplexe Verpackungsdesigns. Diese erschweren die Sortierung in Lebensmittel- und Nicht-Lebensmittelverpackungen und verringern dadurch die Ausbeute.
Eine weitere Herausforderung ist die derzeit noch begrenzte Menge an lebensmitteltauglichem Rezyklat. Besonders bei Polyolefinen, zum Beispiel PE und PP, ist das Angebot aktuell noch gering.
Chancen:
Gleichzeitig entstehen durch technologische Innovationen große Chancen. Fortschritte in der sensorgestützten Sortierung ermöglichen eine immer präzisere Materialtrennung — etwa zwischen Food und Non-Food mithilfe von KI.
Auch das Thema Design for Recycling gewinnt an Bedeutung. Hersteller beginnen zunehmend, Verpackungen stärker auf Recyclingfähigkeit auszulegen. Perspektivisch könnten Guidelines für das Design von Lebensmittelverpackungen essenziell werden, um Ausbeute und Qualitäten zu steigern — im Sinne eines „Design for AI“.
Darüber hinaus werden neue Geschäftsmodelle attraktiver. Geschlossene Materialkreisläufe zwischen Herstellern, Recyclern und Markenartiklern gewinnen wirtschaftlich an Relevanz.
Für TOMRA liegt die Chance insbesondere darin, hochreine Materialströme durch präzise Sortiertechnologie bereitzustellen, die als Grundlage für lebensmitteltaugliche Rezyklate dienen.
Wie kann TOMRA die Teilnehmer in der Wertschöpfungskette am besten unterstützen — etwa am Beispiel eines Lebensmittelherstellers?
1. Verbesserung der Sortierqualität
TOMRA kann dazu beitragen, unterschiedliche Fraktionen nach Farbe, Material, Lebensmittel- und Nicht-Lebensmittelanwendungen sowie MFI zu sortieren, um hohe Qualitäten zu erzeugen.
2. Unterstützung bei geschlossenen Materialkreisläufen
Gemeinsam mit Partnern kann TOMRA dazu beitragen, Closed-Loop-Systeme aufzubauen, zum Beispiel:
• Bottle-to-Bottle
• Tray-to-Tray
• weitere geschlossene Kreisläufe
3. Daten und Transparenz entlang der Wertschöpfungskette
Moderne Sortiersysteme liefern Material- und Qualitätsdaten, die Unternehmen dabei unterstützen können:
• Rezyklatqualität zu dokumentieren
• Materialströme besser zu steuern
• regulatorische Anforderungen zu erfüllen, zum Beispiel durch PolyPerception Waste Analytics
4. Beratung zu Design for Recycling
Bereits im Verpackungsdesign können Hersteller sicherstellen, dass Verpackungen optimal sortierbar und recyclingfähig sind. TOMRA bietet hierfür Detailanalysen im Technikum an, bei denen Verpackungen sowohl statisch als auch dynamisch analysiert werden.